ANKUNFT.

Der eigenen Tiefe begegnen.
Since 07/2026 10 Episoden

Die Einladung nach innen

Niemand muss. Alle sind eingeladen.

04.11.2026 35 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wie lädt man Menschen ein, sich selbst zu begegnen, wenn ihnen der erste innere Berührungspunkt fehlt? Raphael und Tim sprechen über Einladung statt Überzeugung, über die Grenzen des Wissens und über Erfahrung, die sich nicht erklären lässt. Ein ruhiges Gespräch für alle, die andere begleiten und selbst unterwegs sind.

Wie lädt man Menschen auf eine Reise nach innen ein, wenn ihnen der erste Berührungspunkt mit der eigenen Tiefe noch fehlt? Tim erzählt von einer Autofahrt mit einem Freund, der sich Sorgen machte und ihn trotz allem Bemühen nicht verstehen konnte. Daraus wird ein ruhiges Gespräch über den Kristallisationspunkt, an dem Selbsterfahrung überhaupt erst andocken kann, über die Grenzen des Wissens und darüber, warum Druck jede Einladung leiser macht.

Raphael und Tim fragen, was Menschen im Alltag erreicht, die sich selbst kaum noch spüren, und wie viel Erklärung ein erster Schritt verträgt. Sie schauen auf alte Schriften, auf die Frage, was dort mit Verdammnis gemeint sein könnte, und auf die Erfahrung aus therapeutischen Prozessen, dass Wirkung oft dort entsteht, wo man sie nicht erwartet. Und auf den Gedanken, dass niemand diesen Weg gehen muss.

ANKUNFT. gibt es jetzt auch als Video-Podcast auf YouTube.

EINLADUNG zum TAGESSEMINAR am 29.11.2026: https://kraemercoaching.de/ANKUNFT/ANKUNFT-Tagesseminar-29-11-26.pdf

Transkript

Raphael
00:00:00
Hallo Tim.
Tim
00:00:02
Raphael.
Raphael
00:00:03
Ja und ein herzliches Willkommen allen unseren Zuhörerinnen und Zuhörern da draußen. Heute haben wir so ein bisschen in den Fokus genommen die Frage nach dem Anfang der Reise und dem, wie kann man Menschen eigentlich einladen, mitnehmen, wie kann man Verständnis dafür erzeugen, dass es uns hier um die Einladung geht, bei sich selbst anzukommen und die Reise nach innen und die Suche nach der Tiefe zu beginnen. So würde ich das jetzt mal zusammenfassen. Und du hattest vorhin mit einer kleinen, ja fast schon Anekdote gestartet. Leider bevor wir auf Record gedrückt haben, aber vielleicht magst du noch mal uns alle mitnehmen.
Tim
00:00:51
Gerne. Ich hab vor einigen Wochen eine Woche mit einem Freund verbracht, der uns begleitet hat beim Arbeiten und der dann auf der Rückfahrt so im Eins-zu-eins mit mir das Gespräch gesucht hat und es auch so benannt hat, aus freundschaftlicher Fürsorge. Er würde sich da etwas Gedanken machen, was denn mit mir sei, ob ich da in eine Sufi-Sekte abrutschen würde, was ich plötzlich von Erwachten spreche, dass das Dinge seien, wo er nicht mitgehen könne und dass ihn das auch irritiere. Und dann haben wir da eine gute Stunde, waren zusammen im Auto, drüber gesprochen und ich hab versucht, ihm zu sagen, worum es geht und dass ich mir das nicht ausdenke und dass ich mir das... weil er fragte, wo hast du das denn alles her? Und ich hab immer wieder gesagt, das nehme ich aus dem Jetzt, also das ergibt sich aus der Sache selbst und... Dann sagte er, er hat versucht zu verstehen, ich glaube, er hat es auch ernst gemeint, mich zu verstehen. Ich habe ernsthaft versucht, es ihm in Worte zu fassen, und wir haben es nicht geschafft, dieses Verständnis hinzubekommen. Wir sind dann in Freundschaft auseinandergegangen, ohne dass er mich verstehen konnte.
Raphael
00:02:16
Ja.
Tim
00:02:17
Und das erlebe ich öfter. Also das erlebe ich sogar eigentlich immer, außer wenn ich mit Menschen spreche, die selber auf dem Weg sind. Und ich habe dazu zufällig auch vor zwei Tagen im Johannesevangelium gelesen, wie da Jesus gefragt wurde von einem Obersten der Juden, was denn das sei, das Reich Gottes, und dass man das ja nicht sehen könne, und Jesus dann geantwortet hätte, ja, das Reich Gottes könne nur sehen, wer neu geboren sei. Und man soll sich auch nicht bekümmern, solange man nicht neu geboren sei, würde man es nicht sehen. Und dann fragte dieser Oberste der Juden, wie das denn sei, neugeboren, geboren werden, ob man denn noch mal in den Mutterleib komme. Und dann sagte Jesus, nein, das ist eine Wiedergeburt im Geiste. Nur ohne diese Wiedergeburt ist das Reich Gottes nicht zu sehen. Und das vielleicht als Startpunkt für unser Thema heute, wie man das verständlich machen kann für jene, die den Startpunkt oder den Anfangspunkt noch nicht gefunden haben oder noch nicht berührt haben.
Raphael
00:03:22
Ja. Und da würde ich halt gleich das große Fragezeichen machen, ob das überhaupt geht. Ich glaube, dass alle, die sich auf diesen inneren Weg der Suche machen oder auf den spirituellen Weg oder wie auch immer man das für sich bezeichnen möchte, alle, die sich ernsthaft auf den Weg nach innen machen, zu schauen, was ist da wirklich, oder, um es mit den wichtigsten Worten Ramana Maharshis zu sagen, wer bin ich wirklich? Ich glaube, die alle haben irgendwo eine Erfahrung gemacht in ihrem Leben, die wie so ein Kristallisationspunkt wirkt. Also so eine erste Erfahrung, die so ein inneres Ja, okay, ich glaube, da ist noch mehr und da spricht mich was an. Vielleicht so einen ersten echten inneren Kontakt zum Jetzt. Ich glaube, den muss das Leben uns irgendwie schenken, oder ich glaube tatsächlich, aber das ist jetzt mehr persönlicher Glaube wahrscheinlich, ich glaube, das Leben lädt uns immer wieder ein, solche Erfahrungen zu machen. Und wenn wir diese Erfahrung einmal gemacht haben, dann ist, glaube ich, so ein Kristallisationspunkt in uns, da kann dann all die andere Erfahrung und auch das, was andere Menschen uns mitteilen, daran andocken und uns unterstützen und weiterführen. Aber wenn ich so gar keinen Kontakt damit hatte und habe, ich glaube, dann ist das, was wir hier erzählen oder was andere erzählen, die dazu einladen, diese Reise anzutreten, ich glaube, dann ist das nicht anschlussfähig. Es muss irgendwie so einen ersten Kristallisationspunkt in uns geben. So wie mit den Wolken, wie ich das vorhin gesagt hatte. Das hatte ich neulich gelernt. Wolken entstehen auf dieser Welt wohl nur dadurch, dass kleinste Staubteilchen in der Luft sind, an die dann die Feuchtigkeit sich anlegen kann. Und so wird aus etwas winzig winzig Kleinem dann so ein schönes Wolkengebilde. Aber ich glaube, so ist das so ein bisschen mit der spirituellen Reise oder dem Weg nach innen auch, auch so einen ersten Kristallisationspunkt.
Tim
00:05:46
Jetzt haben wir da ja gleich mehrere Probleme drin. Ich erinnere mich an einen guten Freund, einen Schweizer. Und in der Schweiz sagen sie gerne Spürst-mich-Seminare, so nach Innenschau-Seminaren, und dass ich deren Qualität jetzt kenne oder bewerten möchte. Ich weiß aber, wie dieser Unternehmerfreund es gemeint hat: Lasst mich doch damit in Ruhe, ich habe hier meine Aufgaben, dann kümmere ich mich. Aber mit diesem Spürst-mich ... [unsicher, bitte im Audio prüfen] können ja nichts anfangen. Das eine, was ich da drin sehe, ist okay, ich glaube, es gibt unheimlich viel Aufgeblasenes, was vermeintlich nach innen blicken möchte, was dann aber doch von einer menschlichen Agenda getragen ist, also meistens Geld zu verdienen in irgendeiner Form. Also das ist vielleicht die Aufgabe, wie kann man das Lautere von dem Unlauteren unterscheiden?
Raphael
00:06:42
Was ja auch ein Punkt ist, den dein Freund angeführt hat, als er die Sorge äußerte, du könntest in eine Sufi-Sekte geraten sein.
Tim
00:06:53
Und das Zweite, ein Zweites, worüber wir auch gesprochen haben, dass das Aufwachen letztlich der nächste Schritt der menschlichen Evolution ist, der notwendig ist, wenn wir auf diesem Planeten noch weiter und in Frieden leben möchten. Und zwar das Aufwachen nicht aller, aber das Aufwachen in größerer Zahl. Das Aufwachen soweit, dass wir anfangen, zum Aufgewachten, also zum Entleiten, Leadership zu schauen [unsicher, bitte im Audio prüfen]. Dass wir unsere Führung nicht mehr danach auswählen, dass sie möglichst clever, möglichst hinterlistig, möglichst machtorientiert besser sein kann als der andere, sondern dass wir unsere Führung, so wie der Philosophenkönig mal im Gedanken war, danach auswählen, dass sie möglichst weitsichtig und inklusiv für die Gesamtheit der Menschheit ist, nicht mehr nur für die Gesamtheit der Deutschen oder die Gesamtheit der Franzosen, und dass wir dann den Blick darauf eröffnen, was ist denn mit der Gesamtheit des Lebens auf der Erde? Und darüber hinaus. Und vor diesem Hintergrund, das hatten wir schon mal in der Episode, warum aufwachen, glaube ich, hieß es, dass es drängt, dass da auch eine gewisse Zeit drängt, was etwas paradox anmutet, weil wir gar keine Zeit haben, die da drängt, und zugleich in der Geschwindigkeit, in der wir aktuell unterwegs sind, den Karren hervorragend gegen die Wand fahren. Das heißt, irgendwas ist da drin, wo wir sagen, jetzt müssen wir rauskommen aus unserem dominierenden Mindset: Ich muss mich gegen die Welt schützen. Ich brauche noch meinen, ich mach mir doch das und das. Dann bin ich besser als der Russe oder der, egal wer. Und schütze mich und bereite mich vor auf den nächsten Kampf. Darüber müssen wir hinauskommen. Das Mindset von Abundance und genügend [unsicher, bitte im Audio prüfen], von wow, es gibt schon alles. Ich bin getragen. Wir sind alle getragen und wir sind sowieso auch alle eins. Und es gibt den Grund nicht für die Feindschaft.
Raphael
00:09:01
Ja, gerade im Lichte unseres Themas, also wie Menschen einladen, diesen Weg zu gehen, die bisher wenig Kontakt damit hatten, oder da, wo wir merken, dass es schwer ist, so wie du das aus der Erfahrung auf dieser Rückreise geschildert hast, wäre es mir ein großes Anliegen, dieses Drängen und dieses Müssen daraus zu nehmen. Ich glaube, wir können Menschen grundsätzlich nur gut begleiten, wenn wir Einladungen aussprechen, die sie annehmen. Niemand sonst ist gut begleitbar. Denn alles, was Druck ist, erhöht in der Regel Widerstand. Und deswegen wäre mein Ansatz zu sagen, ja, Spürst-mich-Seminare und so weiter und so fort, da ist eine ganze Menge auf dem Markt und ich kann und will mir kein Urteil erlauben über Dinge, die ich nicht erfahren habe oder mir ganz genau angeschaut habe. Aber grundsätzlich wäre ich erst mal an dem Punkt, alles, was die Menschen ernsthaft, nicht mit Druck, aber ernsthaft einlädt, wirklich in den Kontakt mit sich zu gehen und ein Sich-Spüren überhaupt erst mal wieder zu erleben. Denn unglaublich viele Menschen rennen durch die Welt und haben genau gar keinen Kontakt mit sich, spüren sich überhaupt nicht. Und ich glaube, solange das so ist, ist man noch nicht erreichbar. Ich glaube, da, wo es gelingt, diesen ersten Kontakt aufzunehmen, das ist ein guter erster Schritt. Und Druck halte ich in dem Kontext für kontraproduktiv. Denn wenn ich mein Gegenüber überzeugen will, habe ich schon verloren.
Tim
00:11:11
Der Druck kommt ja nicht von uns, sondern aus der Welt, die uns tagtäglich konfrontiert mit dem, was ist.
Raphael
00:11:22
Ja, und zugleich glaube ich, dass die Menschen diesen Druck schon sehr, sehr intensiv in ihrem Alltag wahrnehmen und dass das, wozu wir einladen, diese Reise nach innen anzutreten, die Lösung für den Umgang mit diesem Druck nicht im Außen zu suchen und in einer Veränderung des Außens primär, sondern in einer inneren Arbeit. Also ich glaube, dafür müssen wir keinen zusätzlichen Druck formulieren, der ist schon da. Und wir dürfen die Einladung formulieren: Wenn du dich ausgetobt hast, da drin zu versuchen, diesen Druck im Außen zu bewältigen, dann haben wir hier was. Dann ist hier eine Alternative.
Tim
00:12:14
Können wir dann sagen, dass die Welt gerade so viel Druck aufbaut, ist dem Aufwachen förderlich, weil immer mehr Menschen versuchen, sich im Außen so lange abzuarbeiten, wie sie können. Schaffen es nur nicht, weil wie sollte man gegen den Druck der Welt im Außen ankommen? Und vielleicht zu Beginn in etwas Resignation oder in etwas ... Rückzug ins Kleine, in, okay, gut, dann kann ich es nicht ändern. Ich kümmere mich jetzt so bei Hasen oder bei ein Kind. Mein Hund. Dieses. [unsicher, bitte im Audio prüfen] Dass es so einen Moment hat von, okay, das Außen überwältigt, dann Finger davon.
Raphael
00:13:05
Ich glaube zumindest, dass das einer der vielen ersten Zugänge ist, innezuhalten und zu schauen, vielleicht ist ja an dieser Geschichte, dass wir mehr sind als unsere äußere Form, oder weniger, je nachdem, wie man darauf schauen will. Aber diese Einladung zur Tiefe, vielleicht ist das ja doch einen Blick wert. Und dass die wahrgenommene Beschleunigung in unserer Welt dazu eine Einladung sein kann, das hatten wir ja, ich glaube, in der letzten oder vorletzten Episode, als wir so ein bisschen über die Wahrnehmung von Zeit und Beschleunigung von Zeit gesprochen hatten, ja auch schon als Idee in den Raum gestellt. Das halte ich wirklich für eine valide Betrachtung. Was würdest du sagen ist jetzt eine gut formulierte oder eine gute Möglichkeit, Menschen, die zumindest so ein erstes Innehalten, so ein erstes Wahrnehmen von, ich glaube, da ist, da könnte was für mich dran sein, oder das könnte interessant sein für mich, die zu erreichen.
Tim
00:14:21
Bestätigung. damit das da was ist [unsicher, bitte im Audio prüfen]. Und dass es sich lohnt, da noch etwas näher dranzugehen. Und noch etwas näher dranzugehen. Dass wir alle noch viel mehr sind, als wir denken zu sein. Und dass es das Denken nicht fassen kann, was wir sind. Und das ist auch ein großes, wenn ich es jetzt aus unserer aktuellen Zeit aus Deutschland oder aus der Bildungselite, die an allen Universitäten, haben alle oder die meisten, viele haben viel gelernt, viele sind ausgebildet worden, viele sind ja strebsam gewesen. Nur dieses Wissen, was wir uns erarbeitet haben, das Wissen über die Welt, wird zur Hürde, wenn ich wahrnehmen möchte, erleben möchte, was die Welt oder das Leben noch ist. Weil es der Geist nicht greifen kann. Und das ist, glaube ich, eins der größten für die Menschen, dass sie loslassen von dem, was ihnen sonst Halt gibt. So wie eine Professorin im Medizinstudium meiner Frau zu ihr sagte, weiß nicht, im vierten Semester, als ein Student antwortete, ja, ich glaube, dass es so ist, und sie ihn sofort unterbrochen hat: Nein, Sie dürfen nicht glauben. Sie müssen das wissen. Wenn Sie glauben, töten Sie Menschen. Diese Vehemenz, die das Medizinstudium mit sich bringen kann, dass es wirklich wichtig ist, Dinge zu wissen und nicht zu glauben, führt ja schon dazu, man, okay, man muss das Wissen fundieren, man braucht belastbare Evidenzen, dann hat man die, dann möchte man davon aber auch nicht mehr ablassen. Weil es sind ja gerade jene Evidenzen, die einem die Sicherheit geben, dass man das Richtige tut. Und das, selbst wenn es medizinisch ist, aber das gibt es in allen Ingenieurswissenschaften, in jedem Bereich, wo es wichtig ist, präzise und gut das zu machen, das zuzulassen, dass das Wissen selbst begrenzt und hemmt.
Raphael
00:16:55
Wenn wir das nehmen, dass wir aus einer Welt kommen, die sehr darauf fokussiert, dass wir wissen, also dass wir Dinge kategorisieren, dass wir Dinge richtig einordnen, beschreiben, benennen, bewerten, das sind dann ja so die Mechanismen, die da mit einhergehen, dann ist natürlich der Bruch zu dem, wozu wir einladen, nämlich in die innere Anschauung, Erfahrung und das Erleben zu gehen, ohne es im Vorfeld durch Kategorien, Beschreibungen, Bewertungen so einzuordnen, dass wir die Hälfte gar nicht mitbekommen, natürlich dann auch ein wirklich großer Bruch. Ich glaube, und das ist auch so meine Erfahrung in der Arbeit mit den Menschen, auch im therapeutischen Kontext, der erste Schritt darf nicht zu beladen sein mit Erklärung. Der erste Schritt braucht so viel Erklärung, dass ich den Mut fasse und so eine Idee habe, warum es sinnvoll ist, in die innere Anschauung und Erfahrung abzutauchen und mir zu erlauben, mal nach innen zu schauen und das auch für mich als valide einzuordnen, was ich da in mir wahrnehme, und nicht im Außen zu suchen. Aber ich glaube, wenn wir zu viel ins Erklären und kognitive Darlegen packen von Dingen, die ja nur sehr begrenzt verbalisierbar sind, ich glaube, dann verlieren wir die Menschen viel schneller. Wir brauchen ein gutes Maß an Erklärung und dann den Raum für praktische Anschauung und Erfahrung.
Tim
00:18:59
Ja, voll, wäre geil. [unsicher, bitte im Audio prüfen]
Raphael
00:19:00
Etwas, was du ja auch in deinem Segeln oder in deinen Bergtouren ja auch nutzt, den Raum für Erfahrung und Anschauung jenseits der Erklärung. Würden nur die Erklärungen reichen, bräuchte man ja niemanden mit aufs Boot nehmen. Es gibt Klassenräume, die zu weniger Übelkeit führen.
Tim
00:19:23
Ja, da sind wir auch wieder bei diesem Kristallisationspunkt. Dass es mit der Anschauung beginnt. Und zur Anschauung einzuladen. Und dann dabei zu begleiten, dass da was ist, worauf diese Anschauung deutet. Und dann ist die spannende Frage, ob wir diese erste Anschauung überhaupt erzeugen können. Oder ob wir sie nicht vorher hatten, dass jemand schon auf sie gestoßen sein muss. Wir sagen, Ankunft im Jetzt. Ich glaube, das spricht nur Menschen an, die schon mal im Jetzt angekommen sind. Und dann merken, das Jetzt ist sehr flüchtig, da komm ich gar nicht so leicht wieder hin. Wo ist es denn hin? Da war es doch gerade. Und dann anfangen zu sagen, okay, wenn da im Jetzt was war und ganz kurz war der Moment, da im Jetzt was gewesen ist, dann möchte ich wissen oder möchte erkennen, möchte erleben, was ist da noch im Jetzt? Das ist das Gleiche nochmal in anderen Worten. Die Fülle des Lebens, die Tiefe eröffnet sich im Jetzt.
Raphael
00:20:32
Ich glaube, dann brauchen wir zugleich auch, wenn wir einladen wollen, einen ersten Kontakt aufzunehmen zum Jetzt, mit ein paar einleitenden Worten und dann vielleicht eher eine Einleitung und Anleitung zur ersten Erfahrung. Sei das nun über Meditation, über Körperarbeit oder über andere Formate, dann brauchen wir auch, wenn es eine Einladung gibt, dann gibt es ja auch immer Menschen, die die Einladung nicht annehmen, und ich glaube, auch für die brauchen wir ein gutes Okay. Also ich glaube, auch denen, die das jetzt hier sehen oder hören und sich denken, also die reden jetzt seit, weiß nicht, 20 Minuten über eine Sache, die aus meinen Augen oder in meinen Augen oder Ohren schräg aussieht und sich auch anhört, das ist nichts für mich. Okay. Also das muss... Also es muss aus meiner Sicht niemand diesen Weg einschlagen. Alle sind herzlich dazu eingeladen und mit alle meine ich wirklich alle. Aber niemand muss. Denn wenn wir Muss erzeugen und und da einen Druck aufbauen, dann ist es keine ehrliche Einladung mehr. Und mit Muss und, ja, damit arbeiten aus meiner Wahrnehmung Sekten und Scharlatane. Wer mitkommen möchte auf die Reise, ist herzlichst eingeladen. Also wirklich von ganzem Herzen. Und wer sagt, nee, will ich nicht, ja, okay. Falls sich das ändert, wir und alle anderen, die zu dieser Reise einladen, sind da.
Tim
00:22:35
Ich denke an die Bibel und dass sie nicht nur, dass sie mit Nachdruck einglied [unsicher, bitte im Audio prüfen] und doch schon immer wieder unterstreicht, wer die Einladung nicht annehmen möchte, wer sich dem Bösen unter dem Fleisch, dem Selbstsüchtigen, dem eigenen Nutzen, der eigenen Berechnung, eigenen Lustgewinn zuwendet [unsicher, bitte im Audio prüfen], der wird in Verdammnis landen. Die Bibel hat da schon sehr harte Wörter für jene, die nicht danach streben.
Raphael
00:23:11
Ja und das. Das spricht mich wirklich gar nicht an. Tatsächlich,
Tim
00:23:20
Mhm.
Raphael
00:23:25
wer die Bibel liest und sie nicht nur liest, sondern auch versteht, ich glaube, der kann das auch richtig einordnen. Aber wer für diese innere Reise und den Prozess nicht offen ist, hat gar nicht die Möglichkeit, das richtig zu verstehen. Und weil, wenn man dem erzählt, ja was weiß ich, wer dem Fleisch frönt oder was auch immer, dem droht Verdammnis, der denkt dann an irgendwie das Innere eines Vulkans, ewiges Feuer und Leibesfolter. Und da bin ich raus. Also das sehe ich nicht als hilfreich an für jemanden. Also weil wer zu dieser inneren Reise nein sagt, hat, glaube ich, in meiner Wahrnehmung und Welt diesen inneren Kristallisationspunkt für sich noch nicht. Kann da nicht andocken. Und diesem Menschen dann zu begegnen mit, ja, aber das ist dann dein Weg in die Verdammnis, was hat der davon? Also von meiner Seite aus, das Einzige, was ich guten Gewissens und ganz aus mir heraus aussprechen kann, ist eine Einladung. Eine Einladung, diesen Weg zu gehen. Und wer diese Einladung nicht annehmen kann, hat genauso all meine Liebe und mein Mitgefühl wie alle anderen Menschen auch. Und da nehme ich kein Wort von Verdammnis oder irgendwas in den Mund.
Tim
00:25:04
Es steht zum Beispiel, ich weiß nicht mehr genau wo geschrieben, dass der, wer sich um Schönheit oder Kraft bemüht und die Welt liebt [unsicher, bitte im Audio prüfen], dass er das Wort bietet, dass er in verdammtes Landen wird, dass er sterben wird [unsicher, bitte im Audio prüfen]. Und wer Gott liebt, dass er das ewige Leben findet. Also ich bin ganz bald ja und vor einer Weile hätte ich die Bibel nicht mal angefasst, weil sie diese Sätze macht und all ich Menschen kenne, die mit der Bibel fast totgeprügelt wurden, insbesondere als Kind, und weil so viel Missetat im Namen der Kirche geschehen ist [unsicher, bitte im Audio prüfen]. Also ist es eine Frage der Übersetzung? Aber jetzt, wo ich diese Sätze lese und sage, ja, auf jeden Fall derjenige, der auf Schönheit und oder Jugend oder so schaut, der versucht etwas zu halten, was er nicht halten kann, weil niemand jung bleibt, weil niemand schön bleibt, weil wir alle alt und krank werden und dieser Veränderungsprozess sowieso geschieht, ob ich das möchte oder nicht. Das heißt, in dem Moment, wo ich das eine fixiere, dann dann versuche ich etwas zu halten, was ich nicht halten kann, und daraus folgerichtig das Leid, was ich über mich bringe, vielleicht auch über andere, und das Sterben, weil ich es nicht halten kann. Während auf der anderen Seite Gott zu lieben, lässt sich nur umdenken, also den Teil in mir zu lieben, der mich übersteigt. Das Leben selbst zu lieben, das Leben selbst anzunehmen, immer wieder im Jetzt, sodass ich überhaupt das Jetzt erleben kann, der dann dazu führt, dass ich mich vollständig transzendieren kann und erlebe, dass ich meine, den Teil, die unsterbliche Seele in mir, dass die erfahrbar ist und dass ich damit ewiges Leben erreiche. Das ist ja profund.
Raphael
00:27:08
Und jetzt hast du absolut [unsicher, bitte im Audio prüfen]. Und wenn man mit einem Verständnis aus der Tiefe heraus das liest, dann ist das genauso profund. Du hast gerade, weiß nicht, zwei Minuten oder so, ich habe die Zeit nicht gestoppt, darauf verwendet, den Inhalt dessen, was dort geschrieben ist und das, was Verdammnis meint, zu schildern. Und warum? Weil, wenn ich nur das Wort im Wortsinn nehme, ich nicht die Tiefe dessen erblicke, was damit eigentlich gemeint ist oder begreifen kann. Und das ist das, was ich vorhin meine, warum ich mich dagegen sperre, wenn wir jetzt von Menschen reden, die da gar keinen Bezug zu haben und die sagen, ach komm, geh weg damit, ja, denen zu erzählen, ja sorry, aber das ist der Weg in die Verdammnis. Das greift dann einfach zu kurz, ja. Also wenn ich mir jetzt vorstelle, ich hätte null Kontakt, null Berührung damit. Und jetzt sagt mir jemand, Raphael, also entweder du beginnst damit, mal nach innen zu schauen und zu ergründen, wer und was du wirklich bist. Oder du wendest dich weiterhin der Welt zu und das ist der Weg in die Verdammnis. Dann würde ich denken, okay, ja. Also dann, das würde doch meinen Widerstand eher erhöhen, als dass es einlädt. Das heißt, wenn ich Menschen habe, die da im Widerstand sind, dann muss ich mir schon mehr Mühe machen, so wie du das gerade gemacht hast, und versuchen, eine erste Erklärung zu liefern, warum der Weg in der Welt, das Streben nach Schönheit, Reichtum, wie auch immer, keiner ist, der langfristig zufriedenstellen kann. Der langfristig inneren Frieden und Zufriedenheit bringen. Und ich glaube, das kann ich nicht machen über Begriffe wie Verdammnis oder dergleichen, sondern dann brauche ich alltagspraktische Beispiele. So was wie, wenn du irgendwas Neues hast, wenn du ein Ziel erreicht hast, meinetwegen du sparst aufs neue iPhone oder so, dann ist es da. Dann ist da der Moment des Glücks und der Zufriedenheit. Aber wie lange hält das? Ist es wirklich von Dauer? Das wäre doch so ein... Und das wäre eine erste Erfahrung, wo auch Menschen, die, glaube ich, mit dem Spirituellen gar keinen Kontakt haben, sagen könnten, na ja, ein paar Tage, vielleicht ein paar Wochen, aber irgendwann entsteht in mir der Wunsch nach dem Nächsten. Und das, ich glaube, so was sind so Beispiele, die einen ersten Anknüpfungspunkt bieten können für Menschen, die da bisher noch gar keine Anknüpfung hatten, zu erleben, ja, okay, ich kann sogar in meinem Alltag sehen, dass die weltlichen Dinge nicht von Dauer sind. Ja, denn wie gesagt, in meiner Wahrnehmung führt alles, was Druck macht oder mit so was wie Schuld oder Verdammnis oder so droht, das führt zu schnell in Abwehr. Und man braucht ein fundiertes Verständnis, diese Dinge richtig einordnen zu können. Und wenn man das nicht hat, ist es wenig hilfreich, sondern verlockt dann die Menschen eher dazu, ganz auf Abstand zu gehen oder es falsch zu verstehen und in irgendeinen Fanatismus oder dergleichen abzuwandern. Und ich meine, dass wir keinem Fanatismus in irgendeiner Art und Weise Raum bieten wollen oder das Wort reden wollen, ich glaube, da sind wir uns ja nicht nur sehr einig, sondern... Ja, das haben wir hoffentlich auch schon ein paar Mal sehr deutlich gemacht.
Tim
00:31:04
Ja, ein interessantes Thema, wie diesen ersten Zugang herstellen für jemanden, der ihn noch nicht selber gefunden hat. Ich denke auch über die Summe derer, also global, diversen, die Heilige Schriften oder auch Menschen, die erwacht sind und die darauf hindeuten [unsicher, bitte im Audio prüfen], weil das kommt ja an vielen Stellen, es kommt ja immer wieder. Und die Berührungspunkte mehren sich und irgendwann ist ein Berührungspunkt dabei, der ins Innehalten einlädt oder vielleicht auch verbunden mit einer Anschauung, die wegen ihrer Größe oder wegen ihrer Bedeutsamkeit einlädt. Wow! Jetzt sind wir gleich mit unserer Episode durch. Ich habe ja zu Trauma geforscht an der Uni und irgendwann habe ich so humorvoll gemeint gesagt, ja, also ich kann jetzt ja nicht 30 Menschen vor den Bus schubsen, um hinterher zu untersuchen, wer an seinem Trauma gewachsen ist. Was ich damit meinte, war, na ja, wenn ich das wissenschaftlich untersuchen möchte, dann brauche ich ja erst mal eine Anschauung, von der ich starte. Und die Ethik hat es mir damals nicht erlaubt, Menschen vor den Bus zu schubsen. Das ist natürlich ein makaberer Scherz. Ich glaube, ich bin im Team: Die erste Anschauung kommt nicht von uns. Und wer sie noch nicht hatte, kommt nicht zu uns.
Raphael
00:32:46
Ja, ich glaube... Ich glaube, wir dürfen immer wieder Einladungen machen, so wie dieser Podcast vielleicht auch eine Einladung ist für jemanden, der darüber stolpert und warum auch immer dabei hängen bleibt, eine Einladung zur ersten Anschauung zu sein. Und ob das von uns kommt oder nicht, ich glaube, das haben wir nicht in der Hand. Also ich glaube, wir können uns bemühen, Anschauung zu ermöglichen, aber ob die dann wirklich Anklang findet, das ist nicht in unserer Hand. Und da ist so meine Erfahrung, dass man das auch manchmal gar nicht genau wissen kann. Wenn ich mir so Therapieprozesse anschaue und dann am Ende des Prozesses, also da nehme ich mir in jeder Stunde vor, Anschauung zu schaffen, da nehme ich mir in jeder Stunde vor und gucke: Was geht in Resonanz mit meinem Gegenüber? Was ist hilfreich? Was ist ein sinnvoller nächster Schritt? Und so weiter und so fort. Wenn ich dann am Ende eines therapeutischen Prozesses Patientinnen oder Patienten frage, ja, und was war denn das, was geholfen hat? Was war das, was wirklich inneren Anklang gefunden hat und Bewegung und nächste Schritte erzeugt hat? Da sagen die ganz oft Dinge, die hätten jetzt auf meiner Liste der wahrscheinlichen Sachen nicht so weit oben gerankt.
Tim
00:34:23
Mhm.
Raphael
00:34:24
Das wäre für mich so ein Beleg für die Erfahrung. Wir bemühen uns, wir versuchen Einladungen auszusprechen, die für unser Gegenüber anknüpfungsfähig sind und passen. Ob das aber am Ende passt und angeknüpft wird, das entsteht im Gegenüber. Das unterliegt nicht uns und unserem Einfluss. Und vor diesem Hintergrund bin ich dann auch bei dir im Team, wir können es nicht machen. So viel für heute. Ich bin gespannt, was am Ende als Gesamtepisode herauskommt. Ob man uns da gut folgen kann, aber da freue ich mich auf jeden Fall über Feedback, wie immer gerne per E-Mail. Die E-Mail steht in den Shownotes. Und in diesem Sinne würde ich sagen, vielen Dank fürs Zuhören, fürs Dabeisein und bis zum nächsten Mal. Ciao, ciao.
Tim
00:35:25
Ade.

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