ANKUNFT.

Der eigenen Tiefe begegnen.
Since 07/2026 5 Episoden

Abwehrmechanismen des Alltags

Vom Ablenken zum Ankommen

29.07.2026 45 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge von ANKUNFT. sprechen Raphael und Tim über die Abwehrmechanismen des Alltags: über Need Creation, Dopamin-Abhängigkeit und die Illusion, dass das nächste Ziel endlich Ruhe bringt. Sie zeigen, warum Einsamkeit und innere Unruhe oft kollektive statt rein individuelle Phänomene sind, und warum ausgerechnet das Ego am aktivsten wird, sobald wir es betrachten wollen.

Warum fällt es uns so schwer, einfach nur zu sein, ohne ständig etwas erreichen oder haben zu müssen? 

In dieser Folge von ANKUNFT. sprechen Raphael und Tim über die leisen Abwehrmechanismen des Alltags. Über die Illusion, dass das nächste Ziel endlich Ruhe bringt, über Need Creation im Marketing und über unsere stille Abhängigkeit von Dopamin, ob durch Zucker, Social Media oder die ständige Bestätigung durch künstliche Intelligenz. Sie sprechen über Homöostase und Affektregulierung, über kollektive Erschöpfung und Einsamkeit als gesellschaftliches statt rein individuelles Phänomen und über das Ego, das genau dann am geschäftigsten wird, wenn wir es betrachten wollen. 

Am Ende steht eine ganz konkrete Übung: fünfzehn Minuten still sitzen und beobachten, welche Ablenkungsfährten auftauchen. Für alle, die in Therapie, Coaching oder Beratung mit Menschen arbeiten, und für alle, die selbst spüren, wie schnell sie sich von sich selbst ablenken lassen.

Transkript

Raphael
00:00:10
Hallo Tim, wunderschönen guten Tag wünsche ich dir.
Tim
00:00:13
Hallo Raphael.
Raphael
00:00:14
Wir sind ja bei der letzten Episode auseinandergegangen mit diversen Themenvorschlägen und haben uns in unserem wieder mal sehr ausführlichen Vorgespräch uns überlegt, womit machen wir denn weiter. Wir wollten ja so diesen Abwehrmechanismen, Alltagsablenkung. Ich würde das vielleicht mal zusammenfassen und du darfst meine Zusammenfassung natürlich gerne umändern oder ergänzen oder wie auch immer. Was sind die Dinge, die uns von der Auseinandersetzung mit dem Wesentlichen, der eigentlichen Selbsterkenntnis abhalten oder ablenken im Alter? Das wäre so meine Zusammenfassung für das Thema heute. Passt das für dich?
Tim
00:00:56
du wolltest noch gar nicht losstarten und schon eine Antwort darauf geben, ich dann ergänze?
Raphael
00:01:01
Nee, nee, nee, nee, wollte ich nicht. Ich wollte erst mal nur fragen, ob wir beide sozusagen auf dem gleichen Dampfer unterwegs sind.
Tim
00:01:08
Das Thema ist von sehr, sehr großer Relevanz. Und das betrifft uns alle, weil wir alle unsere Strategien haben, vor dem Wesentlichen die Augen zu verschließen. Einige davon sind offensichtlich. Einige sehen wir sehr gut bei unseren Partnern oder Kindern oder Kollegen. Und die wahrscheinlich genauso gut bei uns. und dann werden die immer kniffliger und immer subtiler je näher wir an den brutalen Kern kommen.
Raphael
00:01:40
Einen Punkt, glaube ich, haben wir schon in einer der vorherigen Episoden so ein bisschen gehandelt, als wir uns diese Thematik, die wir auch unserer Seminareihe als Überschrift verpassen wollen, haben, vom Haben zum Sein, und da der Frage haben oder sein schon angesprochen. Ich glaube, von diesen sehr offensichtlichen Dingen ist eine der ganz zentralen Ablenkungen und Abwehrmechanismen, die immer wehrende und sich immer wieder erneuernde Illusion, dass ich nur noch dieses oder jenes haben oder erlangen müsste, endlich ganz ich selbst ganz glücklich und ganz erlöst zu sein von den Unbill, die mir das Leben so präsentiert.
Tim
00:02:30
Und bei dem Ganzen dürfen wir auch nicht vergessen, dass das... Also dass davon auch profitiert wird. Und das schon seit Jahrzehnten auf sehr hohem Niveau, sehr kluges und raffiniertes Marketing mit uns allen gemacht wird, an uns gemacht wird. Das schöne Wort im Marketing, die sagen das auch mit so einer ganz unschuldigen Betonung, ist Need Creation. Und das ist ja witzig, wenn es Kartoffeln geht oder oder ein Haus, ein Dach über dem Kopf, dann spricht ja keiner von Need, den man erst createn muss. Aber alles, wo man erst irgendwie es in den Menschen wecken muss, dass sie doch diesen Bedarf überhaupt haben. Also, großes Thema nur ganz kurz. Es ist schwierig. Es ist wirklich groß und schwierig, weil die Marktwirtschaft so funktioniert. Der Kapitalismus davon lebt, dass wir immer denken, ich brauch noch diese Fernreise, brauch noch diese neue Jacke, ich brauch noch... ach das noch dazu und wir kriegen ja auch in den Werbespots oder subtiler wo immer wir es kriegen so, ja suggeriert, das sind dann die glücklichen Leute, das sind die erfolgreichen Leute, Product Placement, dass James Bond natürlich immer die coolsten Autos fährt und dann drehen wir schnell und denken wenn ich auch so ein Auto fahre, bin ich auch so ein cooler James Bond.
Raphael
00:03:59
Ja, ich glaube auch, das ist tatsächlich die Ablenkung, die wir alle schon von Kindheitsbein auf so selbstverständlich präsentiert bekommen, dass sie trotz alltäglich gegenläufiger Erfahrung sie für uns gar nicht so einfach zu überwinden ist. Ich meine, niemand von uns hat doch, glaube ich, Erfahrung, also noch nicht die Erfahrung gemacht. dass irgendetwas Langersehendes dann da war, erlebt wurde, in meinem Besitz kam, wie auch immer, und es dann mit der Zeit an Faszination und Beruhigung der Sehnsüchte verloren hat, Raum zu machen für Neues. Das heißt, es ist doch eigentlich verwundernswert, wenn man von außen auf uns Menschen guckt, dass wir immer wieder korrigierende Erfahrungen vom Leben präsentiert bekommen. und trotzdem uns so schwer damit tun, diese Illusion an den Haken zu hängen.
Tim
00:05:05
Ja. Ich wollte das vorwegstellen mit dem Marketing, weil ich auch hier wieder betonen möchte, dass das normal ist, dass das menschlich ist, dass das schwierig ist, dass wir da uns nicht verzagen brauchen oder hart mit uns ins Gericht gehen müssen, wenn wir auch so jemand sind, der gerne eine neue Jacke gekauft hat, der gerne noch das nächste Produkt oder die nächste Reise auch noch erlebt hat. weil das wirklich tief in uns reingeht. Jetzt ist ja die spannende Frage, was passiert eigentlich, wenn wir den Need oder das Bedürfnis nicht befriedigen?
Raphael
00:05:52
Also meiner Erfahrung nach gibt es, ich will gerade sagen zwei, aber ich muss mal kurz überlegen. Vielleicht sind es auch drei. Mal gucken. Aber zwei Reaktionen, die mir direkt einfallen. Das eine ist, der Need lässt einfach nach mit der Zeit. ja, wenn wir uns, meine Erfahrung ist, wenn ich mir diesem Need, diesem inneren Verlangen bewusst bin. und wahrnehme, was das alles mit mir macht, dann kann ich unter Umständen die Entscheidung dagegen setzen, dem weiter nachzugehen. Und in dem Maß, in dem ich das wahrnehme, aber zugleich nichts damit mache, ist es so ein bisschen wie bei meiner Exposition, meiner Höhenangst. Irgendwann wird es weniger und er lässt nach. Oder aber, wenn ich ihm nicht nachgehe, das aber nicht ganz Also nicht ganz bewusst dem nicht nachgehe, sondern durch irgendeine Störung kann es manchmal auch weggehen. Aber dann die Wahrscheinlichkeit meiner Erfahrung nach bei mir hoch, dass es dann durch irgendwas anderes ersetzt wird.
Tim
00:06:59
Durch was wird es ersetzt?
Raphael
00:07:00
meistens durch einen Folge-Need. [unsicher, bitte im Audio prüfen]
Tim
00:07:02
durch ein uns noch unbewusstes Verhalten.
Raphael
00:07:07
Es ist, ähm, ja. Deswegen glaube ich ja auch, dass Selbsterfahrung etwas ist, was nie aufhört. Weil wir in unserer Verhaltensweise, also zumindest bis zum Aufwachen nicht aufhört, weil wir in unserer Verhaltensweise so unglaublich flexibel sind, dass die eine Sache, die ich kenne, unter Umständen durch etwas anderes ersetzt wird, was mir noch nicht bekannt oder bewusst ist und dann die gleiche Wirkung hat, nur über etwas anderes Muster.
Tim
00:07:37
Kannst du dazu ein Beispiel geben? [unsicher, bitte im Audio prüfen]
Raphael
00:07:40
Beispiel ich. Vermeide die Auseinandersetzung mit irgendetwas. Mir wird bewusst, dass ich das vermeide. Wegen Konfliktauseinandersetzung oder dergleichen. Und ich lerne, ja, Raphael, Konflikte fallen dir schwer. Das ist ein Punkt, wo Muster greifen. Wo Vermeidungsmuster greifen. Ich erkenne, dass ich weiß, welche Muster das sind. Kann sie im Alltag mehr und mehr wahrnehmen, dann was dagegen machen. und krieg nicht mit, dass auf der anderen Seite ich vielleicht plötzlich anfange ein neues... vorher habe ich alles beschönigt und später beschönige ich nichts mehr, aber habe es irgendwie über die Monate oder Jahre geschafft, mein Leben so zu gestalten, dass auch niemand oder nichts mehr mich herum ist, mit dem ich in Konflikte geraten könnte. Das heißt, ich habe das Thema Konflikte immer noch nicht gut genug bewältigt für mich im Sinne von, hey, ich kann diese Emotionen... die entstehen in mir im Rahmen von Konflikten aushalten. Ich kann die erkennen und zulassen, ohne danach handeln zu müssen unbedingt. Weil ich habe einfach die Notwendigkeit aus der Welt geschafft. Ich glaube nicht, dass das dauerhaft funktioniert. Aber das wäre so ein Beispiel, was mir jetzt so ganz spontan einfällt für ich erkenne was in der Selbstreflektion, Selbsterfahrung von mir und versuche dann da offen mit umzugehen und kommen durch die Hintertür, kommt ein anderes Vermeidungsmuster nach.
Tim
00:09:16
Was sind denn körperliche Wahrnehmungen, du kennst bei dir selbst, wo du dich erwischt, wo du merkst, das weist mich darauf hin, dass ich gerade etwas vermeiden möchte.
Raphael
00:09:32
Bei mir persönlich ist, glaube ich, eine Anspannung in der Bauchregion. Also ich kann die sprachlich besser beschreiben, aber das ist eine sehr spezifische Art der Anspannung in der Bauchregion bei mir, die ich mittlerweile schon sehr häufig sehr gut zuordnen kann. Manchmal aber, nein nicht manchmal. meistens etwas nachgelagert. Dem auslösenden Ereignis.
Tim
00:10:04
Ich kenne Müdigkeit bei mir. Also so eine schwache Müdigkeit, dann so ein Moment, wo die Konzentration nachlässt. Das kann auch im Gespräch sein, wenn ein Thema berührt ist, dass es mir noch was berührt oder berührt hat und ich weiß, dass ich dazu die richtige Antwort noch nicht habe. Ich weiß, dass mich das noch beschäftigt, dass das noch meine Energieprozesse dominieren kann. Und dann will ich da irgendwie nicht so richtig mich grad... Dann will ich zu diesem Thema nicht wach sein. Und dann fängt der Geist an, so bisschen schläfrig zu werden. Und ich glaube, wir kennen diese Müdigkeit alle sehr gut noch aus der Schule, wo wir immer irgendwann eingeschlafen sind, wenn es irgendwelche Strukturformeln ging oder so. Es gab den Moment, wo Mathe... Erst war es noch ganz witzig und plötzlich dann gar nicht mehr. Und dann wurden wir so müde.
Raphael
00:10:55
Also ich bin mir sehr sicher, dass ich diese Müdigkeit genauso kenne. Nur nicht aus Matheunterricht, der war für mich nie witzig, aber ja, da kann ich mitgehen.
Tim
00:11:07
Müdigkeit ist auch eine Grundverteidigungsstrategie unseres Geistes. Das macht er mit Absicht. Er macht das, uns zu schützen. Er hält uns für nicht reif genug, uns damit zu beschäftigen. Er tunet das ein bisschen leise, wie ein Mikro, wo man es leiser stellt. Und man kann das auch ausprobieren, kann man mit seinem Partner ausprobieren oder mit jemandem, ihm nahe steht, wo man weiß, bei welchem Thema die Person empfindlich ist. Und das dann einfach mal ansprechen und nochmal nachhaken und dann beobachten, wie die Person schläfige Augen kriegt und so was sagt wie, das muss mal das Thema wechseln jetzt.
Raphael
00:11:47
Ja. Und da ist es ein schöner erster Schritt, sowas, dem ich für mich auch experimentiere oder mich ermutige zu experimentieren, nicht einzuleiten, das Thema zu wechseln, sondern im ersten Schritt mal offen einzugestehen. Das Thema ist mir gerade unangenehm.
Tim
00:12:09
Man kann das auch in der Meditation für sich ausprobieren. Das kennt bestimmt auch jeder, der regelmäßig meditiert. Zu kurzen Momenten der Müdigkeit, einem während des Sitzens kommen. Wo kommt die denn her? Und da ist es ganz spannend, wenn man da die Ruhe reinbringen kann, die Wachsamkeit und Aufmerksamkeit zurückholen oder wieder neu zulassen, dann geht die Müdigkeit wieder weg.
Raphael
00:12:36
Das ist ein spannender Punkt. Habe ich tatsächlich noch nie... Da muss ich mal darauf achten. Das habe ich so noch nie... nie betrachtet im Rahmen von Müdigkeit in der Meditation. Ja. Ja.
Tim
00:12:49
Das ist sehr subtil, aber beachtest du mal drauf, du wirst es wahrnehmen. Am Ende können wir alles runterbrechen auf Energieprozesse, in uns, also wie aktiviert wir sind und die Frage, wir wissen, warum wir gerade in einer Richtung aktiviert sind oder nicht. Also der Choleriker vielleicht, der ist sehr aktiviert und schimpft munter vor sich hin. [unsicher, bitte im Audio prüfen]
Raphael
00:12:54
Spannend, vielen Dank.
Tim
00:13:19
Vielleicht entschuldigt sich auch, aber in dem Moment ist nicht klar, wo jetzt diese ganze Energie herkommt, die er da sich streut.
Raphael
00:13:31
Ich würde gerne noch mal ein bisschen zu unserem Anfang zurückkommen. Abwehrmechanismen des Alltags. Der Need, den haben wir, glaube ich, gut beleuchtet. Welche weiteren Abwehrmechanismen findest du wichtig zu kennen und wahrzunehmen?
Tim
00:13:53
Also müssen wir einmal auf die großen Dinge schauen, denn unser Nervensystem dysreguliert. Das dysreguliert von alleine. Unser Nervensystem ist einfach dynamisch. Das bleibt entweder in Bewegung und wenn es irgendwie diese Bewegung nicht mehr gerade hat, dann fängt es von alleine an dysreguliert zu sein. Und es ruft dann nach Regulierung. Und das Spannende ist daran, dass das ein homöostatischer Prozess ist. aus dem Bereich des vegetativen Nervensystems. Das heißt, das ist nicht eine willentliche Entscheidung von mir, die ich jetzt treffen kann oder nicht. Ich vergleiche das gerne mit dem Ausatmen und dem Einatmen oder mit der Körpertemperatur. Zwei Dinge, die unser Körper reguliert. Das kriegt er auch sehr gut ohne unser Zutun hin. Und er wird schwitzen, wenn es ihm zu warm wird oder anfängt zu zittern und dann muss das CO2 ausatmen. Also würde er ausatmen und wir können bewusst atmen, aber er wird wieder weiteratmen, wenn wir vergessen zu atmen. Also wenn wir vergessen bewusst zu atmen. In diesem Bereich der Homöostase liegt auch die Affektregulierung. Und wenn jetzt der Affekt dysreguliert ist, dann gibt es... also ein ganz, ganz verbreiteter Klassiker ist Zucker. Zucker stimuliert Dopamin im Gehirn. Dopamin ist ein Belohnungs... Neurotransmitter funktioniert super gut. Dann muss man sich nur die Frage stellen, wie oft gab es früher, als wir noch im Wald gelebt haben, leckere frische Beeren, die ganz süß waren, die uns belohnt haben, damit, wir sie gefunden haben. Und die Verfügbarkeit von raffiniertem Zucker, also dieser Griff zu egal was, also dem Kuchen oder den Süßigkeiten oder einfach Das ist für sehr viele Menschen sogar noch unter der bewussten Wahrnehmungsschwelle. Sie greifen schon dazu, sie essen. Es ist ein Riesending in den Arztpraxen. Diabetes ist eine Volkskrankheit und der Diabetes kommt ja von irgendwo. Und wenn wir den Diabetes nicht in den Griff kriegen, auch wenn der Arzt sagt, so, sie sollten weniger Zucker essen, dann dürfen wir, also wir müssen die Frage ändern. die Frage stellen, warum der Zucker, sondern warum der Schmerz, warum der dysregulierte Affekt. Und dann landen wir tatsächlich beim Psychologen, Psychiater und in der inneren Auseinandersetzung, weil wir lernen müssen, wo kommt denn mein unregulierter Affekt her? Und wenn es mir gelingt, Affekt auf gesunde Arten besser im Gleichgewicht zu halten, besser zu regulieren, dann wird der Griff zu Süßigkeiten von alleine weniger. Und danach bekomme ich auch meine Ernährung besser in den Griff. Das gleiche gilt für Rauchen oder für Alkohol. Das sind vielleicht die drei größten. Dann kommt noch so etwas wie Social Media. Die ganze virtuelle Welt, die uns einsaugt. Das ist auch Dopamin. Also letztlich, ist immer Dopamin. Wir sind Dopamin-Junkies. Und das sage ich sehr bewusst so, das ist eine ziemlich krasse Abhängigkeit, von der wir da sind. Es ist ein ziemlich krasses Suchtmittel. von dem wir abhängig sind, ist unsere eigene Dopamin.
Raphael
00:17:14
Und ich glaube, dass das etwas ist, das in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen hat, diese Dopamin-Abhängigkeit. Die von dir eben schon angesprochenen Marketing-Strategen haben ja nicht umsonst angefangen, ihr ganzes Know-how aus dem Bereich der Psychologie abzugreifen. und einfach zu gucken, was haben wir denn alles so erforscht darüber, wie der Mensch und seine Psyche funktionieren. Und festgestellt, dass Dopamin als ja auch zentraler Bestandteil mit einem Belohnungssystem und damit auch im Thema Lernen, dass das einfach ein so zentraler Mechanismus ist, dass es wichtig oder wirksam ist, darauf Werbung und Wirtschaft aufzubauen. Und das ist meiner Wahrnehmung nach in den letzten 20 Jahren. unglaublich durch die Decke gegangen und Smartphones haben dem ganzen nochmal einen drauf gesetzt. Die sind ja maximal für das Dopaminsystem optimiert.
Tim
00:18:23
jetzt sogar noch darauf noch was oben drauf gesetzt und zwar die uns ständig validierende KI.
Raphael
00:18:30
Ja, was habe ich neulich gelesen? Über 60 oder 70 Prozent aller Anfragen an die KI sind beratend therapeutischem Inhalts. Also jenseits der Wirtschaft im Privaten ist der mit Abstand größte Teil der Fragen, die man der KI stellt, Fragen zu den ganz persönlichen privaten Dingen. Ja, jetzt reguliert die uns auch kräftig, bald mit Werbung.
Tim
00:18:59
Genau, und dann haben Unternehmen ein Interesse daran, dass wir mehr Zeit auf diesen Plattformen verbringen. keine Chance mehr dagegen.
Raphael
00:19:07
Das Playbook spielen sie ja schon mit Social Media seit langer Zeit.
Tim
00:19:10
Sie werden es mit KI einfach noch viel zugeschnittener spielen und damit noch viel effektiver. Und damit haben wir noch viel weniger Chance, uns dagegen zu erwehren. Das ist, glaube ich, noch ein Thema für einen eigenen Podcast. KI, das ist sehr spannend. Ich gehe noch mal bisschen zurück zu dem unregulierten Affekt. das, was ja in uns ... Was ist da denn in uns? Was ist denn da, den wir treffen, wenn wir gerade nicht abgelenkt sind? Wer ist das denn? Und wie gut kennen wir den? Und ist das ein freundlich Gesinnte? Also, vielleicht kann man sich den vorstellen mit einer Tasse Tee und einer Kerze am Abend und leicht versonnen, guckt da aus dem Fenster und tut irgendwie nichts und ist aber damit sehr im Reinen. Solche Momente haben wir auch alle in irgendwelchen Formen. Oder... Es ist der uns irgendeiner Form unruhig machende, wie soll sagen, so kleiner Antreiber, der sagt, steh auf, wer produktiv, mach was, sei nützlich, tu was für deine Frau oder für die Gesellschaft oder für deinen Job, komm auf, die Küche, irgendwas noch sauber machen oder mach noch Sport, du bist zu dick. Diese kleine Stimme, die ja doch nie zufrieden ist. Weil wir in vor allem der modernen westlichen Welt vollkommen so geprägt sind, dass es immer gilt einen idealen Zustand herzustellen, der noch nicht da ist. Also da ist immer diese Differenz zwischen dem Sollwert und dem Istwert, dass die eine Frustrationsspannung in uns aufbaut und uns weckt und sagt, hey komm, auf, du bist immer noch nicht, jetzt gib dir mal bisschen Mühe. Und damit hängen wir uns immer wieder neue Moorrüben vor den Kopf. und rennen da hinterher. Und ich würde die These öffnen, dass wir schneller laufen mittlerweile, also dass die Abstände, in denen wir uns neue Mohrrüben vor die Nase hängen oder die immer wieder weiter weghängen, dass das immer schneller wird und dass wir als Gesellschaft im Ganzen in den letzten 15 Jahren deutlich zu spüren, accelerieren und dass damit immer mehr Menschen, also die Lebensgeschwindigkeit, dazugenommen.
Raphael
00:21:30
Mhm.
Tim
00:21:35
Aber natürlich hat die Geschwindigkeit, in der wir atmen, der wir verdauen, oder in der wir schlafen, nicht zugenommen. Unser Herzschlag hat vielleicht zugenommen. Aber das, was wir denken, in gleicher Zeit noch mit reinbringen zu müssen, das hat zugenommen. Und so beobachte ich viele Menschen, die drohen, aus der Kurve zu fliegen, oder auch schon aus der Kurve geflogen sind. Wenn Sie da die Zahlen anschauen, von psychischen Belastungen, Stressbelastungen und auch sogar schon Erkrankungen, die gehen ja alle sehr deutlich nach oben.
Raphael
00:22:11
Ja, ich glaube auch, was man so im Privaten sieht, mitbekommt bei den Menschen auf der persönlichen Ebene mit den zunehmenden psychischen Belastungen. Spiegelt sich aber auch im Großen, wenn wir uns angucken, was du gesagt hast, die Gesellschaft läuft immer schneller. Die nächste Möhre ist immer schneller präsentiert. Auch die Idee, dass wenn man die Möhre erreicht hat, plötzlich alles entspannter und besser ist. Also diese Illusion wird ja auch immer schneller vermittelt durch Social Media und Influencer und dergleichen, die uns vorleben, dass das Leben, wenn man dieses oder jenes erst mal erreicht hat, ein ganz anderes Level erreicht hat. Ja, und wenn wir uns angucken, wie Drama in der Welt gefühlt zunimmt, dann nimmt auch das an Geschwindigkeit und Tempo zu. Und damit wird es immer verlockender, der Behauptung zu glauben, dass die Möhre, die da einen Meter vor mir hängt, super wichtig ist und man ihr gar nicht aus dem Weg gehen kann.
Tim
00:23:32
Von Mexico kenne ich noch die Zahlen, da sind zwischen 2002 und 2018 die Zahl der Fettleibigen von um die 10 auf um die 75 % gestiegen. Und die globale Stressbelastung hat zugenommen. Und auch in Deutschland hat sie zugenommen. Mit dieser Zunahme haben wir diese Momente mit dem Tee und der Kerze und dem zufriedenen Blick aus dem Fenster immer seltener. Wir gestatten es uns immer seltener, mal einen Abend lang nur zu sein, ein Wochenende. nichts zu tun, vielleicht mal bisschen abzuhängen. Früher hat man noch Chillen gesagt. Aber jetzt ist es so, man ist always on.
Raphael
00:24:26
Mhm.
Tim
00:24:27
Das heißt, der Druck, der auf unser Nervensystem wirkt, ist größer. Umgeschlossen wird es immer wichtiger, für sich zu lernen, was können wir tun, damit wir da über Wasser bleiben. Es gibt so einen schönen Spruch, geh jeden Tag eine Stunde spazieren, außer du hast viel Stress, dann geh zwei Stunden spazieren. Und genau das ist die Idee.
Raphael
00:24:50
Und da wo du gerade sagst, der Druck wird immer größer. Wir müssen uns daran erinnern: Wir Menschen sind ja alle Gewohnheitstiere und unglaublich anpassungsfähig. Und ich glaube dadurch, dass dieser Druck immer größer wird, adaptiert unser gesamtes System, vor allen Dingen aber auch unser Nervensystem, an diesen immer höheren Basisdruck. und kann damit Abweichungen nach unten, also wenn es ruhiger, wenn es stiller wird als das, was man als sozusagen normal erlebt, immer schlechter umgehen. Und das kann ich auch bei mir selbst beobachten. Wenn ich an meine Kindheit denke, so 80er Jahre, dann denke ich so ach krass, da gab es einfach Zeiten, auch noch in der Jugend dann, so Anfang der 90er. wo ich einfach mal nachmittags nichts hatte. Und das war irgendwie cool, weil ich hab auch gern mal so meinen Gedanken nachgehangen oder aus dem Fenster geguckt und in den Wolken geträumt. Und das ist etwas, das immer weniger geworden ist von sich aus. Also das ist etwas geworden, von dem ich das Gefühl habe, dafür muss ich im Alltag mittlerweile ganz bewusst Räume schaffen, Zeiträume. Und wenn ich jemandem erzähle, ich plane mal eine Stunde gar nichts machen. Also wirklich nichts. Da bin ich auch nicht mit dem Handy erreichbar. Das ist also nicht Alien, aber schon irgendwie nicht mehr ganz der normale Planet. Für viele andere.
Tim
00:26:41
Ja, und wir haben noch das letzte Mal über die Warum-Frage und die Was-Frage gesprochen. Wenn wir uns diese Zeiten still nehmen, dann begegnen wir der Was-Frage. Dann begegnen wir dem, was ist denn in mir eigentlich gerade? Was kommt in mir hoch? Wie geht es mir? Ist es mir warm? Ist es mir kalt? Habe ich Hunger? Das ist noch relativ einfach zu identifizieren. Warum fühl ich mich niedergeschlagen? War das das Gespräch mit der Frau? Oder hatte ich doch ein Erlebnis von paar Tagen, was mir noch nachhängt? Warum freue ich mich? Worauf freue ich mich? Empfinde ich eine Vorfreude? Oder auch ja sehr verbreitet. Warum empfinde ich sie nicht mehr? Warum habe ich mich da so dran gewöhnt, dass es irgendwie ... zäh ist und denke, gut, nächsten 14 Jahre bis zur Rente schaffe ich noch. Oder 34 Jahre. Also, dass wir, wir waren mal eine sehr lebhafte Spezies. Das ist jetzt sehr plakativ gesagt, aber ich meine es schon so, wir hatten auch mal eine humorvollere Gesellschaft in den 90ern oder auch noch in den Nullern. Man konnte mehr lachen in der Öffentlichkeit. Auch Cabaret war irgendwie witziger. Die Menschen waren ein bisschen ausgefallener, mehr am Lachen, zufriedener. Und wir sind ja runtergetunt in unserer affektiven Auslenkung, vor allem in der Öffentlichkeit. Und dass man mal jemanden weinen sieht oder so starke Emotionen zeigen, selten. Und da kann man schnell depressive Verstimmung zu sagen und ich glaube, das ist auch genau die richtige Diagnose dafür. Das würde es schon treffen. Bei manchen, oder sicherlich auch einigen, ist es auch schon eine ausgewachsene Depression.
Raphael
00:28:43
Ja. Und das Spannende, wenn man dann mit Menschen redet, ist ganz oft die Aussage zu, also einen Gang runter schalten oder dieses oder jenes nicht tun oder weniger machen. Das kann ich nicht, weil die Welt ist ja so verrückt gerade, so voll, es gibt so viel belastende Themen etc. Da kann ich ja nicht... mich einfach zurücknehmen oder mir eine Ruhe gönnen. Ich muss ja irgendwie sehen, dass ich da den Kopf über Wasser halte. Der Weg zum ruhigeren Kontakt mit mir selbst verbauen wir uns häufig mit der Idee, dass gerade dieser Weg zu gefährlich wäre, weil er uns in der unruhigeren Zeit nicht ausreichend vorbereiten oder was auch immer würde. Dabei ist das der einzige Weg, der hilft.
Tim
00:29:45
Ja, wir brennen. Wir brennen gerade kollektiv aus. Und das bleibt spannend zu beobachten, wie das in den nächsten Monaten und Jahren weitergeht. Ein Beispiel, ich nennen möchte, Einsamkeit. Ist so gesundheitsschädlich wie Rauchen. Es sind sehr, sehr viele Menschen von betroffen, nicht mehr nur alte Menschen, die zu wenig besucht werden, auch viele Studierende. Da hat Corona auch seine Spuren hinterlassen. Viele von den jungen, erfolgreichen AkademikerInnen, die nach dem Studium noch zweimal umgezogen sind, die dann in irgendeiner Stadt angespült werden und merken nach ihrem anspruchsvollen Arbeitsleben da, dass es gar nicht so einfach ist, Ü30 noch tragende neue Beziehungen aufzubauen und fangen an... wunderschön aneinander vorbei zu leben. Die sind alle noch so weit freundlich, höflich im Kontakt und so weiter. Und dann gehen sie zum Psychologen und sagen, reden sie über diese Einsamkeit und häufig sagt ja dann der kluge Psychologe, der identifiziert das dann mit der Einsamkeit. So, dann kommt man also von der Therapie und weiß, an meiner Einsamkeit muss sich was ändern. Das Blöde ist nur, Das ist ein individueller Rat für ein kollektives Phänomen. Weil eine Einsamkeit kann ich nicht alleine ändern. Ich kann sogar meine Knie beugen. Wenn der Physiotherapeut sie mir empfiehlt, dann kann ich das verstehen, dann kann ich sie machen und dann werden meine Beine davon trainiert. Aber wenn mir der Therapeut mich darauf hindeutet, ich einsam bin, dass ich mehr soziale Kontakte brauche, bräuchte, dann stehe ich erstmal ziemlich dumm da. Und diese ganze riesenverführerische Social Media Friends Who Like Me ist natürlich da für Gift. Das haben auch mittlerweile sehr viele begriffen und sie wenden sich auch ab von Social Media und diesen ganzen Likes, weil sie wissen, okay, das ist es auf keinen Fall. Nur sind wir auch sehr verunsichert geworden im sozialen Kontakt, im spontanen Vertrauen, so dass viele weiterhin sehr, sehr einsam sind. Aber so... richtig nicht wissen, wie sie das machen sollen.
Raphael
00:32:13
Ja, und ich glaube, da hat tatsächlich das Digitale große Wunden geschlagen, weil es, also wir alle haben ja gewisse Unsicherheiten im Umgang mit Fremden. Die sind größer oder kleiner. Im Idealfall sind die aber früher immer etwas kleiner geworden, weil wir über die Erfahrung gelernt haben, was gut funktioniert. Was auch nicht, was vor mehr machen, was weniger. In Zeiten aber, wo so unglaublich viel Kommunikation nicht mehr face to face stattfindet, sondern nur noch übers Digitale. Reduziere ich ja meine eigene Erfahrung, schon auf einer rein ganz einfachen lerntheoretischen Überlegung heraus, reduziere ich die Bandbreite der mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu interagieren, weil ich einfach die Erfahrung damit nicht mache, was die Unsicherheit erhöht. Und wenn ich dann auf ein Gegenüber treffe, dem es genauso geht, weil er oder sie genauso viel beziehungsweise genauso wenig im Face-to-Face geübt ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit natürlich, dass ich Erfahrungen mache, die ich als unangenehm erachte und die dann mich dazu ermutigen, mich doch nochmal mehr zurückzuziehen, nimmt ja drastisch zu.
Tim
00:33:40
Ja, und auch unsere Gewöhnung an die asynchrone Kommunikation, dass wir über Sprachnachrichtigungen oder WhatsApp, da haben wir uns auch dran gewöhnt. Wenn jetzt der Wahre ein Fremder vor mir steht, den muss ich ja dann sofort reagieren. Und dafür muss ich erst mal wissen, wo ich bin. Also einigermaßen da sein, wo mein Körper gerade ist. Einigermaßen da sein, wo der freundliche Herr mir gerade die Tür aufhält. Sodass ich dann noch sagen kann, danke. Oder vielleicht sogar noch über das Danke hinaus. Also wenn es in den Kontaktaufbau geht. Das ist dann, wenn wir dann auf dem Heimweg sind, dann fallen uns fünf Dinge ein, die wir hätten sagen können und sagen wollen. Aber dann ist natürlich die Situation längst vorbei. Darüber berühren wir auch ein Thema mit der Einsamkeit. Können wir uns für den nächsten Podcast, für eine der nächsten Folgen, vornehmen und zwar Beziehungen. Da würde ich gerne mal ein bisschen ausführlicher drüber sprechen. Insbesondere der familiären Beziehungen zu den Eltern oder zu den Kindern. Je nach Alter der Person.
Raphael
00:34:43
ja. Also ich finde tatsächlich sowohl Beziehungen als auch Familiensysteme sehr spannende Themen. Schreiben wir uns mal mit auf unsere To-do-Liste.
Tim
00:34:52
Ja und jetzt gerade, unsere Eltern sind unendlich wichtig für unsere Entwicklung in der Kindheit und Jugend. Also sie sind die Hauptbeziehungspersonen und es ist auch okay, wenn es nicht die biologischen Eltern sind, aber die Personen, die da waren. Und sehr viel passiert in diesen Beziehungen und bei sehr vielen Menschen liegt da auch ziemlich viel, was sich lohnt, mal zu adressieren. Weil, also ich kenne sehr viele, die nicht so ein gutes Verhältnis haben, zumindestens einen Elternteil. Und ich kenne auch Erwachsene, also Ältere, die den Kontakt zu ihren Kindern verloren haben oder die nicht ganz wissen, sie den, worüber sie noch reden sollen. Oder Gespräche, die sich immer nur relativ flache, kleine Themen drehen. Weil man irgendwie Beide sind zwar interessiert aneinander, aber so richtig wissen sie nicht, wie sie da über die Generation hinweg darüber sprechen sollen.
Raphael
00:35:56
Auch noch einen. Ja, machen wir, kommt auf die, auf die Themenliste mit drauf. Zu unserem heutigen Thema Abwehrmechanismen, Alltagsablenkungen, die uns von der Auseinandersetzung mit uns selbst abbringen, fehlt dir da noch was? Meinst du, dass wir noch irgendwas Wichtiges vergessen haben?
Tim
00:36:14
Ja mir fehlt noch was. Ja, und zwar das, was dem zugrunde liegt: die Idee, die wir von uns im Kopf haben, darüber, wer wir sind. Wir dürfen das Ego nennen. Die ist gerne geschäftig, die weiß gerne Dinge über Sachen, die lernt gerne etwas dazu, die ist gerne etwas besser... So. Und die mag es nicht, selbst betrachtet zu werden. Und wenn sie in einem ruhigen Moment merkt, dass sie gerade nichts Wichtiges hat, dann wird sie etwas Wichtiges produzieren. Und das geht so schnell und so subtil, dass wir das nicht mehr merken, dass sie das schon wieder gemacht hat. Wir fangen erst an, das zu merken, wenn wir auf dem Inneren Weg, in der inneren Auseinandersetzung einen guten Schritt vorangekommen sind. Dann erst merken wir, was eigentlich das Ego für eine Riesenkraft in uns ist und wie sehr wir...
Raphael
00:37:23
seiner Gnade wäre die Übersetzung.
Tim
00:37:24
in seiner Gnade sind, dass es uns mal diesen ruhigen Moment erleben lässt und uns nicht schon wieder die nächste Demosine [unsicher, bitte im Audio prüfen] oder irgendetwas anderes, das geht so schnell. Das ist das, die Buddhisten Monkey Mind nennen, unser Geist, der ständig irgendetwas Neues produziert, weil das eine originäre Aufgabe ist, weil er das gut kann. Und unsere Identifizierung mit eben das, was auch immer da passiert, kommt auch so flux, dass wir sofort in dem Sportwagen drin sitzen. Weil das ist doch genau die Art, womit ich dann hinterher meinen Wunsch erfüllen kann. Ich sehe mich doch schon auf dem fliegenden Teppich mit meinem Sportwagen in den Sonnenuntergang reiten.
Raphael
00:38:09
Jetzt habe ich gerade ein etwas komplexes Bild vom Geistinger Auge. Aber ja, ich bin ganz bei dir und es ist so spannend, dass du sagst... Das Ego mag es so gar nicht, wenn man es gezielt betrachtet. Und zugleich basiert es ja in vielen Teilen auf Vergleich.
Tim
00:38:27
Mhm.
Raphael
00:38:28
Also zumindest mein aktueller Wahrnehmungs- und Überzeugungsstand, dass das Ego einer der ganz zentralen Mechanismen des Vergleichen ist.
Tim
00:38:43
Ja klar, deswegen sitzt er auf meinem Sportwagen [unsicher, bitte im Audio prüfen] auf einem fliegenden Teppich. Das kann deiner nicht.
Raphael
00:38:47
Ja, das stimmt. Ich habe noch nicht mal einen Sportwagen.
Tim
00:38:56
Das wird irgendwann wichtig und wird irgendwann das Wichtigste in diesen automatischen Verteidigungsmechanismen, auf denen wir erst mal lange, denen gehen wir sehr lange auf den Leim. Da gehen wir sehr lange mit. Wir vertrauen da drauf und wir müssen irgendwann da dran, wenn wir uns wirklich entwickeln wollen. Dann müssen wir da irgendwann dran und dann wird das Ganze auch sehr unangenehm. Dann brauchen wir die schonungslose Ehrlichkeit uns selbst gegenüber. Unter anderem. Mit allem zu sein, was wir in uns finden. Auch mit dem Hässlichen, auch mit dem, gelogen hat, mit dem, der vielleicht betrogen hat, mit dem, der... Wir müssen vor dem inneren Auge, wenn wir uns selbst schauen, alles sehen dürfen. Und wenn es da einen Bereich gibt, in dem wir nicht gerne blicken, weil der Affekt noch zu groß ist, weil da eine Angst hochkommt oder eine Gier oder eine Habsucht oder irgendwas in uns sich regt. kommen wir nicht weiter. diese schonungslose Ehrlichkeit und die Liebe, wir dann da für uns selbst gegenüber brauchen und auch die Nachsicht damit, dass das eine Weile dauert, dass wir da viel Liebe brauchen und viel Nachsicht.
Raphael
00:40:18
Da ist sie wieder die Vulnerabilität, die man zulassen können muss, von der wir in der letzten Episode gesprochen haben.
Tim
00:40:29
Ja. Und dann wird es eine...
Raphael
00:40:31
Mir kommt gerade...
Tim
00:40:32
Äh, ne, das ist... Ja, bitte.
Raphael
00:40:33
Ja, mir kommt gerade eine Frage in den Sinn, aber ich kann sie zurückstellen. Mach erst mal das, was du noch dazu sagen wolltest. [unsicher, bitte im Audio prüfen]
Tim
00:40:38
dass das eine Entscheidung ist, eine innere Entscheidung, ob man das möchte. Also man kann lange auch mit einem Psychotherapeut, man kann da aus dem Außen ein paar Tricks lernen, wie man da besser damit umgeht, man kann lernen, wie man gesünder seinen Affekt reguliert, mehr Spaziergänge, weniger Zucker. Das kann man alles sehr gut lernen, das kann das Ego lernen. Damit kommt man auch einen guten Schritt voran. Damit kann man vielleicht auch seinen Diabetes in Griff kriegen und ein besserer Partner werden. Wenn wir darüber hinausgehen wollen und uns mit unserem tieferen Wesen beschäftigen wollen, in das Sein zu kommen und nicht nur wieder irgendetwas zu haben und anzustreben, dann wird es wichtig, dass wir uns dazu committen. Und dieses Committen und diese Entscheidung, das zu wollen, muss aus dem Innen kommen. Das kann nur aus dem Innen kommen. Ja, Punkt. Jetzt du.
Raphael
00:41:32
Das ist schon wieder so ein... Jetzt hast du leider gerade schon wieder so ein wunderbares Schlusswort gefasst. Ich finde das... Ja, ich würde es da am liebsten stehen lassen, aber ich muss meine Frage, glaube ich, trotzdem loswerden, weil sie mir etwas unter den Nägeln brennt. Weil du gerade gesagt hast, wenn wir uns dem Ego und dessen Betrachtung zuwenden, was es nicht mag, dann produziert es schnell wichtige Dinge. ... quasi als Ablenkungsfährte. Wie erkennst du oder was würdest du jemandem, ... ... der sagt, da möchte ich ... ich möchte dieser Fährte möglichst nicht auf den Leim gehen. Was ist aus deiner Sicht ein guter Weg, ... ... um eine Ablenkungsfährte als Ablenkungsfährte zu erkennen?
Tim
00:42:22
Zeit. sich einfach einen Alarm-Clock nehmen und eine Viertelstunde einstellen und sich auf den Sofa setzen, aufrecht wach, ohne Handy in der Hand und damit sitzen bleiben mit dieser Fährte. Und sich das erlauben, dass man jetzt eine Viertelstunde, bis der Wecker klingelt, damit sitzen darf. Und dann sitzt man da und dann ist man ganz am Anfang ganz unruhig und Und schwupps merkt man: da ist noch eine Fährte. Und dann will man da langlaufen und dann kommt wieder eine. Und dann kommen mehrere Fährten. Und dann können das ja unterschiedliche Fährten sein. Und das Mindeste, was man damit erreicht, ist, dass man merkt, okay, gut, es sind schon verschiedene wichtige Dinge, die ich jetzt eigentlich tun sollte. Das ist ein schöner Anfang. Es ist nicht einfach die Zeit, dafür freizunehmen, kommen zu lassen, was auszubinden kommt. Das wird ... in der Zeit weniger und es wird mit der Zeit weniger auffordernd, was da kommt. Es wird klarer.
Raphael
00:43:30
Sehr schön. Das ist eine schöne, finde ich praktische Anleitung zu dem, wenn du eine Stunde spazieren gehst, geh zwei Stunden spazieren, falls du Stress hast. Wenn dir das Leben, das Ego, die Idee präsentiert, du müsstest jetzt gerade ganz, ganz dringend was anderes machen, gönn dir 15 Minuten extra. nichts zu tun, außer zu beobachten, was da kommt. Ja, sehr schön. Wollen wir es dabei lassen für heute?
Tim
00:44:06
Sehr gerne.
Raphael
00:44:07
Es war wie immer ein Vergnügen allen da draußen. Vielen, vielen herzlichen Dank fürs Zuhören. Schön, dass ihr dabei wart und ich sage Tschüss und bis zum nächsten Mal.
Tim
00:44:16
Ade.

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